„Sie haben doch die Farbnummer – da können Sie das doch einfach mischen.“ So einfach ist es leider nicht. Autolack altert, verändert sich durch UV-Strahlung, Waschanlagenbürsten und Umwelteinflüsse. Zwei Fahrzeuge mit derselben Werksnummer sehen nach fünf Jahren im Detail unterschiedlich aus. Für eine unsichtbare Reparatur ist die korrekte Farbtonbestimmung deshalb entscheidend – und in unserer Werkstatt in Dätgen der wichtigste Arbeitsschritt vor jeder Lackierung.
Schritt 1: Farbcode am Fahrzeug finden
Jeder Hersteller dokumentiert den ab Werk aufgetragenen Farbton mit einem Farbcode. Bei VW/Audi steht er meist im Kofferraum oder auf einem Aufkleber im Motorraum, bei BMW im Türrahmen der Fahrertür, bei Mercedes auf dem Kühlerträger. Wir kennen die Positionen für über 200 Fahrzeugtypen auswendig – bei exotischen Modellen recherchieren wir kurz.
Der Farbcode ist der Ausgangspunkt, mehr aber auch nicht. Er sagt uns, welcher Basisfarbton ursprünglich verwendet wurde – nicht, wie er heute an Ihrem Fahrzeug aussieht.
Schritt 2: Spektralphotometrie – die Präzisionsmessung
Herzstück moderner Farbtonbestimmung ist das Spektralphotometer. Das handliche Messgerät wird an einer sauberen, unbeschädigten Stelle des Fahrzeugs angesetzt und misst unter mehreren Winkeln (typischerweise 15°, 45°, 110°), wie das Licht reflektiert wird. Metalliceffekte, Perlpigmente und Farbverlauf werden so exakt erfasst.
Aus diesen Messwerten errechnet unser Farbmisch-System eine Rezeptur, die den aktuellen IST-Farbton Ihres Fahrzeugs abbildet – nicht den 2018er-Auslieferungszustand. Genauigkeit: bis auf ΔE < 1, was für das menschliche Auge nicht mehr unterscheidbar ist.
Schritt 3: Musterblech und Sichtkontrolle
Auch die beste Messung ersetzt keine visuelle Kontrolle. Wir spritzen den ermittelten Farbton auf ein Musterblech, trocknen es unter Kabinenbedingungen und halten es bei Tageslicht direkt an das Fahrzeug. Bei kritischen Perleffekt-Lacken korrigieren wir die Mischung dann noch fein nach – oft geht es um 0,1–0,3 % einzelner Pigmente.
Erst wenn Musterblech und Fahrzeugfläche unter Tages-, Kunst- und Halogenlicht identisch wirken, geht der Farbton in die Kabine. Dieser Schritt kostet 30–60 Minuten – und macht den Unterschied zwischen „sichtbar reparieren“ und „unsichtbar reparieren“.
Sonderfälle: Wenn kein Farbcode existiert
Bei Oldtimern, US-Importen oder speziellen Sonderfarbtönen gibt es oft keinen dokumentierten Farbcode. Hier arbeiten wir mit Farbfächern und -mustern, mit Herstellerarchiven und – bei Klassikern – auch mit Original-Farbmustern aus alten Werkstattunterlagen.
Für Oldtimerbesitzer aus dem Raum Nortorf, Bordesholm und Rendsburg ist das oft der entscheidende Grund, uns zu wählen: Werterhaltende Restauration lebt von der Farbtreue.
Ausblendtechnik: Der letzte Trick
Selbst bei perfekter Farbtonbestimmung entsteht bei Teillackierungen ein leichter Übergang – vor allem bei Metallic. Deshalb arbeiten wir mit Ausblendtechnik: Der neue Lack wird nicht scharf abgeklebt, sondern über die Bauteilgrenze hinweg dünn ausgeblendet und mit einem Ausblendverdünner zum Original verschmolzen.
Das Ergebnis: Kein Farbton-Sprung, kein sichtbarer Übergang – auch bei kritischen Farben wie Silber-Metallic oder Perleffekt-Weiß.
Passende Leistungen bei SH GlanzWerk
Häufige Fragen
▸Was kostet die Farbtonbestimmung?
Bei einem Reparaturauftrag ist die Farbtonbestimmung im Preis enthalten. Als Einzelleistung berechnen wir 45–90 € je nach Aufwand.
▸Kann jeder Farbton nachgemischt werden?
Nahezu jeder. Selbst 30 Jahre alte Sonderfarbtöne bekommen wir über Archivrecherche und Spektralmessung sehr präzise nachgestellt.
▸Warum passt der Baumarkt-Lackstift nie perfekt?
Weil er auf die Werksnummer gemischt ist – nicht auf den aktuellen Alterungszustand Ihres Fahrzeugs. Zudem fehlen Effektpigmente.
▸Können Sie auch Wunschfarben mischen?
Ja. RAL, NCS oder Wunschmuster – bei Komplettlackierungen setzen wir jeden Wunschton um.
