„Nehmen Sie noch den guten alten Lösemittellack?“ – Diese Frage bekommen wir gelegentlich von älteren Kunden aus der Region. Die Antwort ist so eindeutig wie überraschend: Nein – und wir würden es auch nicht wieder tun wollen. Wasserbasierte Basislacke sind seit fast 20 Jahren Standard in deutschen Werkstätten. Wir erklären, warum, und was das für Sie als Kunde bedeutet.
Was unterscheidet die beiden Lacktypen?
Klassische Lacke enthielten organische Lösemittel (Xylol, Toluol, Ethylacetat), die beim Trocknen in die Umwelt verdunsten. Diese sogenannten VOC (Volatile Organic Compounds) tragen zur Feinstaub- und Ozonbildung bei. Wasserbasierte Lacke ersetzen 70–90 % dieser Lösemittel durch Wasser.
Wichtig zu wissen: Betroffen ist nur der Basislack – der farbgebende Teil. Grundierungen und Klarlacke werden weiterhin 2K-lösemittelbasiert verarbeitet, weil hier die technischen Anforderungen (Härte, Chemikalienbeständigkeit) noch nicht vollständig auf Wasserbasis erreichbar sind.
Warum ist Wasserlack Standard geworden?
Seit 2007 begrenzt die EU-Decopaint-Richtlinie den zulässigen VOC-Gehalt in Autoreparaturlacken auf max. 420 g/l. Klassische Lösemittelbasislacke liegen darüber – und dürfen deshalb im gewerblichen Reparaturbereich nicht mehr verwendet werden. Wasserbasierte Systeme liegen typischerweise bei 250–350 g/l.
Für uns als Meisterbetrieb war die Umstellung 2007 zunächst eine Investition (neue Spritzpistolen, Trocknungssysteme, Schulungen). Heute ist das Handwerk längst optimiert – und für unsere Mitarbeiter im Alltag deutlich gesünder.
Qualität: Ist Wasserlack schlechter?
Ein hartnäckiger Mythos: „Wasserlack hält nicht so gut.“ Faktisch das Gegenteil ist der Fall. Moderne Wasserbasislacke von Glasurit, Standox oder Spies Hecker sind in Deckkraft, Farbbrillanz und UV-Beständigkeit den alten Lösemittelsystemen ebenbürtig oder überlegen. Metallic- und Perleffektpigmente lassen sich sogar besser ausrichten – das Ergebnis wirkt tiefer und lebendiger.
Auch die Alterung ist heute mindestens gleichwertig. Fahrzeuge, die wir vor 15 Jahren mit Wasserlack lackiert haben, kommen regelmäßig zur Inspektion – der Farbton ist stabil, kein Kreiden, kein Verblassen.
Was bedeutet das für Kunden?
Als Kunde merken Sie den Unterschied im positiven Sinne: Weniger Geruchsbelästigung bei der Fahrzeugabholung, keine Kopfschmerzen, keine Lösemittelrückstände im Innenraum. Und Sie tun der Umwelt einen Gefallen: Jede Autoreparaturlackierung mit Wasserlack spart je nach Umfang 1–5 kg Lösemittelemissionen.
Ein Detail, das viele nicht wissen: In allen deutschen Autofabriken (VW Wolfsburg, BMW München, Mercedes Sindelfingen) wird seit den 1990ern mit Wasserlack lackiert. Ihr Neuwagen kommt ab Werk mit exakt dem gleichen Basislack-System, das wir auch verwenden – das ist der beste Kompatibilitätsnachweis.
Wo lösemittelbasiert noch Sinn macht
Es gibt Nischen, in denen klassische Systeme weiter verwendet werden: bei bestimmten Oldtimer-Restaurationen (originalgetreue Nitrolacke), bei Industrielackierungen mit besonderen Anforderungen (chemische Beständigkeit) oder bei Sonderprojekten (Airbrush mit speziellen Effektlacken).
Für Oldtimer-Kunden aus dem Raum Nortorf und Neumünster bieten wir auf Wunsch auch klassische Aufbauten – nach Rücksprache und mit entsprechender Zulassung. Für alle anderen Fahrzeuge ist Wasserlack heute schlicht die bessere Wahl.
Passende Leistungen bei SH GlanzWerk
Häufige Fragen
▸Ist Wasserlack teurer?
Nein, der Materialpreis ist heute vergleichbar. Der Trocknungsaufwand liegt geringfügig höher, wird aber durch schnellere Zwischenschichten kompensiert.
▸Kann Wasserlack im Winter Probleme machen?
In der beheizten Lackierkabine spielt die Außentemperatur keine Rolle. Wir lackieren das ganze Jahr bei konstanten 22 °C.
▸Ist der Lack für die Waschanlage geeignet?
Ja, uneingeschränkt. Nach vollständiger Aushärtung (ca. 3–5 Tage) ist Wasserlack für alle üblichen Waschanlagen freigegeben.
▸Verwendet auch die Herstellergarantie Wasserlack?
Ja. Alle Hersteller-Kaskoreparaturen und Werksfreigaben laufen heute über Wasserbasislacke – die klassischen Systeme sind ausdrücklich nicht mehr freigegeben.
